Gewürzte Fastenpredigt serviert

Ortsverein

Dr. Manfred Schuhmann, Landtagskandidat 2003
Dr. Manfred Schuhmann

Er war von der Grippe sichtlich geplagt, trotzdem kam Dr. Manfred Schuhmann wieder als Bruder Barnabas nach Lenting. Weil er seit vielen Jahren Mittelpunkt des politischen Aschermittwochs der SPD ist und einfach dazugehört. Obwohl indisponiert, war er diesmal, so fanden es viele Zuhörer im gut besetzten Café Stadtblick, bei seiner gut gewürzten Fastenrede recht gut drauf.

Nach dem ebenfalls gut geratenen Fischessen und bevor Ortsvorsitzender Christian Tauer den Fastenprediger begrüßen konnte, tischte Bürgermeister Ludwig Wittmann engagiert "Käse von Stoiber" sowie Bundes- und Kommunalpolitik auf. Auch an der Bundesregierung störte ihn beispielsweise, dass sie es hinnehme, wie der Grundgesetzartikel von der sozialen Verpflichtung des Kapitals beziehungsweise Eigentums missachtet werde.
Weiter ärgerten Wittmann in dem Zusammenhang die Geschehnisse an den beiden Krankenhäusern des Landkreises Eichstätt. Da werde eine Privatgesellschaft gegründet, in der - "neue Sklavenhalterei" nannte er das - Putzfrauen und Küchenhilfen für bis zu 40 Prozent weniger Lohn arbeiten müssten. Landrat Bittl, so Wittmann, habe erst versprochen, diese Niedriglöhne würden nur für Neueinstellungen gelten. Dann aber sei das auf alle Beschäftigten ausgedehnt und bei Weigerung durch die Betroffenen sogar mit der Schließung des Krankenhauses gedroht worden.

Zur Situation in der Gemeinde bemerkte der Bürgermeister, man pfeife natürlich nicht auf dem letzten Loch. Er sagte aber auch, größere Projekte seien zurzeit nicht finanzierbar. Wittmann berichtete weiter über eine Reihe von aktuellen Punkten wie Realschule oder anstehende Straßensanierungen, aber auch auf gemeindliche Einrichtungen, die Draufzahlbetriebe seien, kam er zu sprechen.

Nach kurzem Luftholen ging der inzwischen eingetroffene Dr. Manfred Schuhmann als Bruder Barnabas ans Rednerpult. Im einstigen Land der Dichter und Denker, so begann er den Streifzug durch die politische Landschaft, werde selbst größter Krampf in einen Topf geworfen, aufgekocht, eifrig umgerührt, bis es im hintersten Winkel geglaubt werde. Wenn in Afrika von Schwarzen billigst Jeans für Amerika gefertigt würden, sei die rot-grüne Regierung schuld, so ein Beispiel von Barnabas, man müsse das dem Volk nur oft genug sagen.

Besonders ärgerte den roten Prediger auch, dass sich Christdemokraten, Christsoziale und Lobbyisten der Konzerne eins seien, über Jahrzehnte erkämpfte Rechte der Arbeitnehmer zu beseitigen. Weiter: "Ich vermisse auch die Empörung über das verheerende Signal dieser Deutschen Bank, das ist dreister Neoliberalismus." Die Banalitäten der Unterhaltungsbranche störten ihn ebenfalls, wie zum Beispiel über sechs Stunden Livesendung zweier öffentlich rechtlicher Fernsehanstalten von der Moshammer-Beerdigung. So was habe es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Auch Kakerlaken fressende Schauspieler passten zu dieser Unart von gängiger Unterhaltung in diesem Lande. Dazu die bayerisch-derbe Konsequenz: "Ich kann diesen Scheiß nicht mehr sehen!"

Über Bush und Amerika, diesem "weiten Land mit dem beschränkten Horizont", kam Barnabas nach Bayern, auf Stoiber, Hohlmeier ("die weiß doch was über ihn") und PISA. Dass Schulbücher, Schulbusse ins Geld der Eltern gingen und Studiengebühren verlangt würden, nur damit Stoiber seine rücksichtslosen Sparziele erreiche. Skandale in Bayern seit Jahren, zum Fenster hinausgeworfene Millionen und sonstige solcher Ereignisse, dies alles sei doch bekannt, und trotzdem bekämen diese Leute zwei Drittel der Wählerstimmen.

Da reichte es dem roten Bruder Barnabas. Eine Freude und Ehre sei es ihm gewesen, "wieder bei Euch in Lenting gewesen zu sein", bekannte der gesundheitlich angeschlagene Schuhmann noch, dann zog es ihn davon, früher als sonst üblich.

DONAUKURIER vom 11.02.2005 - Hans Greis

 
 

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