Geburtstag und Oktoberfest mit Musik und Tanz

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Oktoberfest 2005: Ludwig Stiegler, MdB
Ludwig Stiegler bei der Laudatio

50 Jahre Bestehen als Ortsverein feierte die Lentinger SPD. Es gibt sie zwar schon länger, denn schon 1946 und in den später gewählten Gemeinderäten waren SPDler vertreten, Mitgliedsbücher aus jener Zeit sind jedoch vom Ortsverein Ingolstadt ausgestellt. Im Jahr 1955 gilt die Existenz als eigene örtliche Parteiorganisation als unzweifelhaft, sonst hätte die SPD bei der Kommunalwahl 1956 nicht den Bürgermeister und fünf Gemeinderäte durchgebracht.

Es sollte also Geburtstag gefeiert werden, nicht mit vielen Lobreden, Urkunden und Ehrennadeln, sondern eher beschwingt, mit Musik und Tanz. Dazu wurde eine Fünf-Mann-Band namens "Frankengold" hergeholt, daneben erinnerten sich die Sozialdemokraten daran, dass sie früher, erstmals 1969, und dann längere Zeit ein Oktoberfest auf ihrem Jahresprogramm hatten. Also wurde dieses Fest wiederbelebt, mit recht gutem Erfolg, wie sich am Wochenende herausstellte. Es wurde eine recht fröhliche Angelegenheit, die Musik der Fränkischen war gut, zuweilen ein wenig zu laut für eine gepflegte Unterhaltung am Tisch.

Christian Tauer beließ es in seiner kurzen Begrüßung als Ortsvorsitzender bei den unbedingt nötigen erklärenden Worten zum Jubiläum. Über die vergangenen Jahre konnten sich die Besucher an Hand von alten SPD-Ortszeitungen und Bildern an den Wänden informieren. Die politische Agitation blieb außen vor, auch Bürgermeister Ludwig Wittmann beschränkte sich auf Grußworte.

Solche Enthaltsamkeit konnte jedoch dem Ehrengast des Abends nicht zugemutet werden. Ludwig Stiegler, der SPD-Bayernchef, hielt trotz aller Anreize aus der gegenwärtigen Nachwahlperiode keine Kampfrede, aber mit Pfeffer sparte er keineswegs und steigerte den Unterhaltungswert, wenn er seine Oberpfälzer Muttersprache zum Einsatz brachte. "Reiß dei Maul auf, hör aber bald auf", lautete eine Vorgabe, an die er sich hielt.

In einer guten Viertelstunde amüsierten sich seine Zuhörer, auch die anwesenden CSU-Spitzen sowie die örtliche Geistlichkeit lächelten gelegentlich, ließen sich allerdings nicht zu Beifall hinreißen. Den besorgten die eigenen Leute in der locker gefüllten Alten Turnhalle zur Genüge. Stiegler lobte vor allem den "regierenden Bürgermeister" und die Genossinnen und Genossen für ihre erfolgreiche Arbeit vor Ort. Dann ging er auf die Vergangenheit der SPD in Bayern ein und ("da staunt ihr, was") erinnerte daran, dass mit Wilhelm Hoegner ein SPD-Mann von 1954 bis 1957 in Bayern das Kind geschaukelt habe. Es seien nicht durchwegs fröhliche Zeiten gewesen, sagte Stiegler, für ihre Leistungen verdienten die Sozialdemokraten Respekt und Anerkennung.

In dem Zusammenhang holte der Landesvorsitzende auch die wilden politischen Jahre aus der Vergessenheit zurück, die 68er, die Große Koalition mit Kiesinger/Brandt oder Jahre großer politischer Entscheidungen und gesteigerter Kriegsängste. Zuweilen ließ er auch Sticheleien "gegen die Schwarzen" los, denn das sei ja ein Oktoberfest und keine Abendandacht. Ein Beispiel dafür die Bemerkung "zu Seehofers Art" Politik zu machen: "Wenn`s ernst wird, geht er zum Zahnarzt oder zum pieseln." Viel Erfolg für "die nächsten 50 Jahre" wünschte er den Genossen mit dem Spruch: "Wachset und vermehret euch und erfüllet ganz Lenting."

Gestärkt mit Schweinsbraten samt Knödl und Blaukraut, Käse und Bierradi konnten die Jubiläumsgäste wählen zwischen Unterhaltung und Bewegung. Die Tanzfläche belebte sich in der Folge zunehmend. Zwei Mal auf die Bühne kam auch das gute Gesangsduo "Red Onliners" in der Besetzung Peter Hoffmeier aus Schwelm/Nordrhein-Westfalen und Stefan Schmäling aus Burgebrach/Bayern, die mit weiteren WebSozis aus Baden-Württemberg und Hessen über deren Forum sozialdemokratischer Webmaster zur Lentinger SPD ("Da woll mer ooch hin") gestoßen waren.

Artikel: Donaukurier vom 11.10.2005, Hans Greis - Foto: Thomas Vogt