Franz Binder

Bürgermeister der Gemeinde Lenting von 1956 - 1978

Franz Binder wuchs, wie er selbst bei jeder Gelegenheit hervorhob, unter ausgesprochen ärmlichen Verhältnissen auf. Die Armut um ihn herum bewog ihn auch, nach der Heimkehr aus dem Zweiten Weltkrieg kommunalpolitisch aktiv zu werden. Angesichts des akuten Wassermangels in der Gemeinde gründete er eine Interessengemeinschaft, die man heute als Bürgerinitiative bezeichnen würde, und erreichte binnen weniger Jahre den Bau der zentralen Wasserversorgung gegen Teils hartnäckigen Widerstand. Daneben war er Gründer und Vorsitzender einer Siedlergemeinschaft, die schon kurz nach der ersten Währungsreform die erste Wohnsiedlung Lentings erbaute.

Im Jahr 1956 siegte Franz Binder dann mit einer parteilosen Gruppe im Bürgermeisterwahlkampf. Auch in diesem Amte blieb ihm (zunächst) die Armut eine treue Weggefährtin. Trotzdem steuerte er ein Projekt nach dem anderen an, wobei er ein Naturtalent bewies, wenn es darum ging, bei allen nur möglichen Zuschussgebern die Hand für die Gemeinde aufzuhalten.

Vor allem zwei Ereignisse prägten die Amtszeit von Franz Binder und die Zukunft der Gemeinde. Das war einmal der Neubau einer Volksschule im Jahre 1958 auf damals "freiem Felde" mit allen, seinerzeit für utopisch gehaltenen Möglichkeiten der Erweiterung. Mit dieser Maßnahme war auch der Grundstein für die riesige Siedlungstätigkeit im Nordwesten des Gemeindegebiets gelegt. Ohne die weitsichtige Entscheidung von damals hätte Lenting niemals Schulzentrum und Kleinzentrum werden können.

Weitblick oder auch Spürsinn zeigte Binder ebenfalls Mitte der 60er Jahre, als im Gefolge der Raffinerien die Ölleitung von Triest nach Ingolstadt gebaut wurde. Ehe man andernorts auf die steuerträchtige Firma TAL aufmerksam wurde, bot der Lentinger Bürgermeister bereits das benötigte Gelände für Kopfstation und Tanklager an. Die TAL etablierte sich, mit dem Ölstrom setzte auch jener Gewerbesteuerstrom ein, der Lenting aus dem Armenhaus in die Beletage der reichen Kommunen hievte. Von der "Ölwoge" getragen, folgte ein Jahrzehnt, in dem man in der Gemeinde von Baustelle zu Baustelle gehen konnte. Noch vor Ende der Ära Binder war das "neue Lenting" fertig, die Dreifachturnhalle beim kompletten Schulzentrum und der Sieg auf bayerischer Ebene beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" sind die Glanzpunkte in einer Bilanz der Amtszeit dieses Mannes, der als späterer SPD-Bürgermeister bei drei Wahlen weit über 70 Prozent der Stimmen erhielt.

Spuren im umgekehrten Sinne hinterließ die Arbeit von Franz Binder bei ihm selbst. Das Amt und der mit ihm oft überflüssig verbundene Ärger, die über zwei Jahrzehnte Bürgermeisterei hatten ihn müde und krank gemacht. Als er 1978 in den Ruhestand ging, war er von Krankheit schon gezeichnet. Der Lebensabend, vor dem er sich manchmal fürchtete, blieb ihm versagt:
Ziemlich genau ein Jahr, nachdem die Gemeinde Lenting Franz Binder zu ihrem Ehrenbürger ernannte, starb er im Alter von 66 Jahren.

 

Lebensdaten

  • * 31. Januar 1914
  • + 18. Januar 1980

Politische Ämter und Mandate

  • Gemeinderat von 1952 bis 1956
  • Bürgermeister der Gemeinde Lenting von 1956 bis 1978
  • Ehrenbürger der Gemeinde Lenting

Herausragende Leistungen in Stichpunkten

  • Bachregulierung
  • Ausbau der Ortsstraßen
  • Bau einer modernen Schule
  • Anlage eines Erholungsgebiets durch Aufforstung von Ödland
  • Ausweisung neuer Wohngebiete
  • Ansiedlung der TAL
  • Lenting wird Sieger beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" auf Bayernebene
 

Aktuelles

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